Herrenmagazin

Name

Herrenmagazin

Mitglieder

Denis Jaspersen
Torben Leske
Paul Konopacka
Rasmus Engler

Ort

Hamburg

Bundesland

Hamburg

Genre

Rock/ Alternative/ Metal/ Punk

Label

Delikatess Tonträger

Fördergegenstand

PR und Marketing
Tour/Festival

Förderrunde

19 (2012)

Website

www.herrenmusik.de

Kontakt

herren(a)gastspielreisen.com

Booker

as(a)gastspielreisen.com

Tourdaten

www.herrenmusik.de

Presseinfo

Wenn man sich 20, 30 Jahre mit Rockmusik beschäftigt, passiert es nicht mehr oft, dass man von
einem Album spontan so begeistert ist, dass man weiß: Das wird mir bleiben, für Jahre, vielleicht für
immer. Nein, ehrlich gesagt: Das passiert einem gar nicht mehr. Bis eine Band daherkommt, von
der man nichts erwartet, in deren Album man kritikerpflichtgemäß mal reinhört – und plötzlich macht
es PENG, und es ist passiert, vom ersten Ton, vom ersten Wort bis zum letzten. So ging es mir vor
zwei Jahren mit „Atzelgift“ von Herrenmagazin, einer Band, bei deren Namen die meisten
Angesprochenen Augenbrauen und Mundwinkel auf „Ach Gott!“ drehten. Zum Glück war ich nicht
der Einzige, dem es so ging. Menschen wie Marcus Wiebusch (Kettcar) und Jan Müller
(Tocotronic) erging es ganz ähnlich.

Die Band

Herrenmagazin – nicht allzu lange zuvor gegründet und ganz ohne die übliche Grundausbildung
von Popseminaren, betriebswirtschaftlicher Konzeptplanung und Selbstvermarktung durch Glück
und Beziehungen bei einer Plattenfirma gelandet. Kommen aus Hamburg, was für sie selbst keine
große Rolle spielt (abgesehen von der Sprache und den Beziehungen), und sind zu viert –
Deniz Jaspersen singt und spielt Gitarre, Rasmus Engler trommelt. Bassist Paul Konopacka, ist
ein Stück jünger und kam 2005 dazu, neu dabei ist als Gitarrist „König Wilhelmsburg“.
Herrenmagazin sind eine Band, wie man sich Bands als romantisches Ideal vorstellt: saufen, feiern
und zusammen spielen. Nein, ihre Musik ist für Herrenmagazin kein Beruf, auch kein „Hobby“,
sondern – das Leben. Das ist es wahrscheinlich, was sie so einzigartig macht: dass daran nichts
konstruiert, gewollt, bemüht klingt, keine Vorlagen, Vorgaben, „Elemente“ verarbeitet werden,
sondern alles natürlich entsteht, wächst und fließt. Deshalb wirken ihre Songs so entwaffnend und
mitreißend: weil sie sich nicht anbiedern; du kannst sie hören, wenn du willst – aber mach dich
darauf gefasst, dass sie dich nicht mehr loslassen.Die musikalischen Bezüge

Das heißt nicht, dass sich keine Bezüge herstellen lassen: Da sind verschlungene Gitarrenlinien,
wie sie die Unverschlechterlichen heute noch an den klassischen C86-Indie-Bands, an Wedding
Present, McCarthy, auch an den Smiths lieben. Da ist die fröhliche Haltlosigkeit ihrer Erben von
Babyshambles und Arctic Monkeys bis The Lodger und Mumm-Ra. Da denkt man an Postpunk, an
die Klarheit, Schärfe, puristische Eleganz und minimalistische Arroganz von Wire, Magazine, The
Fall, die von Placebo bis Bloc Party stilprägend bleibt. Und bisweilen an die frühen Ton, Steine
Scherben (ohne deren politische Naivität und musikalische Unbeholfenheit) sowie, na klar, die frühe
Hamburger Schule, als Blumfeld auf ihrem zweiten Album die gleichen Einflüsse aufgriffen, mit
(musikalisch) ähnlicher Wirkung. Hinzu kommen Stolz, Attitüde, Vehemenz und Radikalität des
britischen Streetpunk, die rebellische Melancholie eines Jimmy Pursey (ein Fingerzeig an
pseudointellektuelle Pullunderträger, die sich schon immer fragen, was Morrissey an diesen
Cockney Rejects gefunden hat), vereint mit der typisch deutschen Spannung aus poetischem
Aufbruch, Verweigerung und Melancholie: Wir werden untergehen, aber schon dass wir's versucht
haben, macht uns zu besseren, freieren Menschen. Um die Band selbst zu zitieren: „Wir zetteln
einen Krieg an / Und nehmen gern in Kauf / Dass wir damit scheitern / Und alles andere auch.“

Vielfalt und Vollkommenheit

Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Weil man all das nicht kennen muss, um von Herrenmagazin
begeistert zu sein. Man muss ihnen nur zuhören. Herrenmagazin-Songs haben diese magische
Qualität: Man kapiert sie, obwohl man nicht weiß, worum es geht. Ihr zweites Album „Das wird alles
einmal dir gehören“ ist die logische Fortsetzung des ersten, musikalisch etwas weniger ungestüm
und ruppig, ein Stück souveräner und gelassener geraten. Da ist auch Platz für eine getragene
Hymne wie „Alle sind so“ (gesanglich unterstützt von keinem Geringeren als
Gisbert zu Knyphausen), in der aber genug pulsierende Unberechenbarkeit steckt, dass
niemand befürchten muß, sie könnten demnächst U2 supporten. Und Ideen, die die Wirkung
steigern: die atmosphärische Tremologitarre in „Fahne“, der weltraumsynthetischen Chor-Break in
„Gespenster“, das an Led Zeppelin erinnernde Riff, das in „Krieg“ das Neu!-motorische Schlagzeug
konterkariert, die Akustikgitarre in der grandiosen Sperrstundenballade
„Keine Angst“. Der größte Unterschied zum Debüt: Die Platte wurde (im Studio) live aufgenommen
(mit Produzent Torsten Otto, bekannt durch seine Arbeit für Tocotronic, Tomte, die Beatsteaks u.
v. a.) – was man kaum glauben möchte, wenn man hört, wie uhrwerksmäßig perfekt die Band
spielt, wie viel Gespür für Raum, Dynamik, rhythmische Spannung, im Akkordgestrüpp verborgene
Melodien sie zeigt. Ohne Sperenzchen und Samples, nur mit Gitarre, Baß, Schlagzeug, Stimme.
Wahre Kunst – darin waren sich alle großen Künstler der Geschichte einig – besteht im Weglassen,
und ein Kunstwerk ist dann vollkommen, wenn man nichts mehr weglassen kann. So ist das hier:
Die Vielfalt liegt darin, was Herrenmagazin machen und wie sie es machen, nicht in dem, was sie an
Deko drüberstreuen.

Die Magie der Texte

Und dann sind da die Texte: „Und ich rette mich über die Berge / Seh meinen Träumen hinterher /
Es gibt keinen Platz auf der Erde / Wo ich nicht gerne wär“, singt Deniz im Opener „In den
dunkelsten Stunden“; da ist noch nicht mal eine Minute um und die schwarze lyrische Faust der
Hoffnungslosigkeit schon so oft gefallen, dass man geplättet am Boden läge, wenn dieser Chorus
nicht wäre, der einen hebt und trägt. Man kann solche Zeilen interpretieren, wie man mag –
politisch, soziologisch oder privat. Es sind Sätze, die sich mit Erlebnissen, Gefühlen, Gedanken und
Erinnerungen verbinden, bis sie selbst zu Erlebnissen und Erinnerungen werden. Ruft man sie sich
ins Gedächtnis, werden auch die Bilder wieder wach. Texte, die das können, sind nicht einfach
Texte, sondern: Dichtung. Und in einer Welt der Banalitäten und Schwurbeleien retten sie uns das
Leben. Oder, wie Herrenmagazin das viel trefflicher ausdrücken: „In mir trag ich alles / Was du dir
vorstellen kannst.“

Und dann lachen wir …

Aber bevor wir (zu) pathetisch werden, zitieren wir lieber auch das: „Ich glaub, man sollte über
alles lachen / Worüber keiner lachen kann.“ Das nämlich ist vielleicht das Wichtigste: die
reinigende Kraft, die Herrenmagazin-Songs haben. Sie räumen Herz, Seele und Kopf frei, und egal
wie schlecht es einem geht, bevor man sie hört – danach geht es einem besser. Mag sein, dass
alles deprimierend, kaputt und ausweglos scheint. Aber: „Wir sind stärker als die Nacht“, und was
gesagt ist, ist gesagt. Dann ist Platz und Zeit für die schönen Dinge im Leben: für Liebe,
Freundschaft, Spaß und Blödsinn. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass die vier Menschen
hinter dieser Musik so erfrischend „normal“ sind, so ausgeglichen, fröhlich und entspannt, obwohl
sie von Tod, Verderben, Untergang singen. Warum sie, statt an die Zukunft zu denken, über
Probleme zu grübeln, ihre Karriere zu planen, lieber zusammen kochen, trinken und lachen über
„die beknackten Ideen, die man beim gemeinsamen Herumsitzen hat“ (Deniz).
Das alles wirkt so perfekt und sympathisch, dass man unweigerlich denkt: Irgendwo muss der
Haken sein. Ist er aber nicht; es gibt keinen Haken. Herrenmagazin sind vier Jungs, die Musik
machen. Eine Band. Zufällig die beste, die ich kenne. Die um ihr Leben spielt, um euch, uns, allen,
die ein Herz und ein Hirn haben, klarzumachen, was Rockmusik im Jahr 2010 bedeuten kann.
Nein: was sie bedeutet. Das kann alles euch gehören, wenn ihr wollt. Und damit ist alles gesagt.

 
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