PRAG

PRAG

Name

PRAG

Mitglieder

Erik Lautenschläger
Tom Krimi
Nora Tschirner

Ort

Berlin

Bundesland

Berlin

Genre

Pop

Label

Tynska Records

Fördergegenstand

PR und Marketing

Förderrunde

20 (2012)

Website

prag-music.com

Kontakt

bc@mec-early.com

Booker

Meistersinger Konzerte Promotion

Presseinfo

INNEN / NACHMITTAG BERLINER OSTEN / IM PRAG-STUDIO

Die Sonne wirft sich selbstbewusst durchs DDR-Mauerwerk. In der letzten Stunde ist es ganze sechs Grad wärmer geworden in der Stadt. Wir sind im 13. Stock, Platte. SIE, ER und ER auf einem abgeranzten Sofa vor dem Fenster. Vielleicht Vintage. Sie sind entspannt, lächeln erwartungsvoll – und irgendwie ziemlich stolz.

ER (gelöst)
Ich ging mit meinen Songideen zu Tom. Wir kennen uns schon lange, es passt bei uns einfach: Während ich hauptsächlich intuitiv an Musik herangehe, kann Tom das viel strukturierter. Er findet heraus, in welche Richtung ein Song gehen soll, spinnt den Faden kompositorisch weiter, und bringt Instrumentierung und Arrangement dann auf den Punkt. Lange Zeit war das für uns ein absolutes Muße-Projekt, neben unseren ‚offiziellen Bands’. Wir haben nur daran gearbeitet, wenn wir auch richtig Lust hatten. Nora kenne ich sogar noch länger. Aus der Schule. Wir waren zusammen im Schulchor; daher wusste ich natürlich, dass sie singen kann. Ich hatte sie aber 15 Jahre lang immer nur zufällig getroffen. Im Frühjahr 2011 trafen wir uns wieder. Nachts, vor dem Babylon Kino in Berlin. Tom und ich waren grad mitten in der heißen Schaffensphase und wir kamen ins Quatschen.

SIE
Ich glaube, ich war auf der Suche nach einem Song, den ich in einer Fernsehsendung singen sollte. Ich kannte Eriks Band „Erik & Me“ und fragte ihn spontan, ob ich deren Lied „Einsam“ dafür benutzen dürfte.

ER
Ich habe direkt an BIS EINER GEHT gedacht – dafür suchten wir ja gerade tatsächlich eine Duett-Partnerin.

SIE
Mir gefiel das Material auf Anhieb. Ich bin aus Spaß mal im Studio vorbei gegangen und habe schon beim ersten Besuch Input gegeben, weil ich die Harmoniefolge des Refrains etwas langweilig fand. Ich musste nichts beweisen, deswegen war ich nicht besonders nervös. Wir haben uns schnell sehr gut verstanden – alles fühlte sich irgendwie sinnvoll, gemütlich und lustig an. Trotzdem wollte ich eigentlich erst mal gar nicht groß draufsingen. Ich war vollkommen zufrieden damit, die erste Vorsitzende des Fanclubs zu sein.

ER
Erik und ich kommen ja aus dem Indie-Bereich und denken eher in kleineren Dimensionen. Als dann Nora dazukam, war nicht nur die Chemie zwischen uns klasse, sondern sie brachte auch einen gewissen ‚Think Big’-Gedanken mit ins Studio. Von ihrem anderen Beruf kennt sie diesen Anspruch ja durchaus und es ist hauptsächlich ihr Verdienst,dass unsere Musik diese Energie jetzt nutzt.

SIE
Ich habe zwar Erfahrung damit, mit meiner Stimme zu arbeiten, aber als Sängerin habe ich erst mal im Dunkeln getappt. Zum Glück habe ich von Erik und Tom gleich noch eine Stimmausbildung oben drauf bekommen. Eines habe ich allerdings zur Bedingung gemacht: Ich spiele die Tarantino-Gitarre.

Die Wärme ist jetzt ganz angenehm. Das Licht bricht sich seltsam in den alten Instrumenten, die überall an der Wand hängen. Die ersten Fotos von PRAG auf der gegenüberliegenden Seite, die eher an nachgestellte Filmszenen erinnern, kann man von hier gar nicht genau erkennen. Warum eigentlich „PRAG“?

SIE (verlegen lächelnd)
Das dürfen wir eigentlich gar nicht sagen, weil es so einfach ist.

ER (zögernd)
Es hat auf jeden Fall damit zu tun, dass wir uns unter anderem auf die Bohème der 50er und 60er Jahre beziehen – und bei den anderen Städten würden wichtige Komponenten fehlen.

SIE
Wir haben mit dem Filmorchester in Prag aufgenommen und auf dieser Reise ist einfach sehr viel für uns passiert. Wichtige, grundlegende Dinge und plötzlich war uns klar, dass PRAG der richtige Name ist. Glücklicherweise haben wir drei einen unglaublich homogenen Gruppengeschmack, obwohl wir so unterschiedlich sind. Kreative Entscheidungen fallen uns deswegen erstaunlich leicht.

ER
Wir haben auch das komplette Tracklisting des Albums erst auf der Fahrt zum Mastering nach Amsterdam beschlossen. Was mutig war, denn die Dramaturgie eines Albums ist ja keine Kleinigkeit. Aber am Ende dauerten die Überlegungen in Sachen Spannungsbogen keine Stunde. Weil wir uns immer einig waren.

Sie werfen sich Blicke zu. Fast verschworene, ehrliche Blicke. Bis vor einem Jahr kannten die sich doch aber kaum. Hatten die denn wirklich keine Meinungsverschiedenheiten? Nicht mal als es an die Produktion ging?

ER (überlegt)
Nein, komisch, keinerlei Fruststrecken. Alles griff ineinander. Übrigens auch mit Guy Sternberg. Er hat sein charmantes Studio hier in Berlin und ein großes Herz für unsere Art von Musik. Sein 70er-Pult und sein Können haben großen Anteil daran, dass unser Album so klingt, wie es klingt.

SIE
Und natürlich das tschechische Filmorchester. Die beiden Jungs haben geheult, als sie die Songs vorort zum erstem Mal in dieser riesigen Dimension gehört haben. Sie haben dann sehr schnell weggeguckt und irgendetwas am Laptop geschrieben. Ich bin bis heute überzeugt, es war„gkjdhcakfhs“ oder so.

ER (lacht)
Es hat uns völlig umgeworfen, wie sich der Kreis plötzlich schloss. Von den ersten Skizzen bis an diesen Punkt zu kommen, war schon sehr berührend. Alles war plötzlich so schnell gegangen und hatte sich dennoch so sinnvoll und stimmig entfaltet. Das beobachte ich aber sowieso oft: Ein starker Song geht beim Schreiben leicht von der Hand. Er entwickelt einen ganz eigenen Sog. Einen eigenen Willen. Dann fügt sich auf fast magische Art alles Weitere. Tom konnte zum Beispiel gar nicht mehr aufhören, am Arrangement von ENDE zu arbeiten, bis er ihn komplett fertig hatte, da war er wie ein Besessener.

SIE
So entscheide ich nebenbeibemerkt auch bei Drehbüchern. Wenn ich sofort Lust habe, den Text zu lernen, ist es ein sehr gutes Zeichen.

ER
PREMIERE erscheint übrigens auf unserem eigenen Label, damit hat Nora was zu tun...

SIE
Ich habe mit großen Apparaten schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn es darum geht, einen kreativen Spielplatz zu schützen, werde ich zur Löwenmutter. Wir haben das alles für uns durchkalkuliert – jetzt können wir loslassen und genießen die Reise.

Wir unterbrechen. Während SIE sich den Fensterrahmen mit einer Zigarette teilt, sucht ER was am Computer. Wir wollen einen der drei Songs hören, die nicht auf dem Album sind. Die werden quasi Special Agents mit Sonderaufgaben, weil sie „woanders wohnen wollten“. Klingt ja fast als wäre PREMIERE eine geheime Welt ...

ER
SOPHIE MARCEAU wird unsere erste Single. Der Song bildet unser Universum wunderbar ab, bleibt hängen und strahlt eine für uns typische, augenzwinkernde Nostalgie aus. Das Lied stellt uns gut vor. Aber einen wirklichen ...

SIE (in sich hinein schmunzelnd)
... Signature Song ...

ER
... gibt es eigentlich nicht. Es sind wahrscheinlich eher fünf Songs, die die Bandbreite von PREMIERE umfassen. Für uns wären das: SOPHIE MARCEAU, ZWEITER, ZEIT, ARGUMENTE TAUSENDFACH und ENDE. Diese fünf drücken unser Grundmotiv auf jeweils eigene Weise aus: Intimität mit Größe verbinden.

SIE
Für mich sind Texte besonders gut, wenn sie trotz Intimität universell funktionieren.

ER
Große Musik und große Gedanken sind oft schwer von Kitsch zu trennen. Persönliche Motivation hilft da ganz gut.

Es wird in gleichem Maße dunkel, wie das Gespräch intensiver wird. Niemand trinkt Alkohol, aber es fühlt sich ein bisschen so an. Es geht darum, dass EINKAUF und BIS EINER GEHT völlig unterschiedlich sind, aber trotzdem einen roten Faden haben, die heimliche Relevanz des Musikantenstadl und kommende Livekonzerte.

SIE
Es entsteht dann ein eigener Fluss mit dem Publikum. Aber es ist immer auch eine Gratwanderung zwischen Interaktion und Stille. Wir wollen der Musik ihren Raum lassen. Da wir aber alle ziemlich kommunikativ sind, sprechen wir ab, wann wir die Klappe halten. Es muss eben eine gute Mischung sein.

ER
Bei den ersten Songs verfolgt man vielleicht noch einen festen Plan. Aber spätestens wenn wir im Programm bei SOPHIE MARCEAU angekommen sind, funktionieren viele Dinge von alleine.

SIE (muss eigentlich los, im Stehen fortfahrend)
PRAG ist auch eine visuelle Band. Neben der Musik ist es uns wichtig, unser Artwork selbst zu entwerfen und wir genießen es total, über Bühnendetails und Kostüme rumzuspinnen.

ER
Es wird sogar einen eigens kreierten Cocktail geben. Oder mehrere. Wir wären wirklich glücklich, wenn die Zuschauer mit uns auf den Konzerten eine fremde Welt betreten könnten.

SIE (breit grinsend)
Wir sind definitiv mehr Zirkus als Berliner Schule.

Die Sonne ist heute im Osten untergegangen. Wir nehmen die Treppe aus dem 13. Stock und freuen uns auf die Platte. PREMIERE hüllt kluge, moderne Texte in cineastischen Breitwand-Pop mit hemmungslosen Arrangements. PRAG spielen auf Hackbrettern, Mandolinen, Knackbässen und mit unseren innigsten Gefühlen.

 
+