Turbostaat

Bandname

Name

Turbostaat

Mitglieder

Marten Ebsen - Gitarre
Peter Carstens - Schlagzeug
Tobert Knopp - Bass
Roland Santos - Gitarre
Jan Windmeier - Gesang

Ort

Berlin

Bundesland

Berlin

Genre

Rock/Alternative/Metal/Punk

Label

Clouds Hill

Fördergegenstand

PR und Marketing

Förderrunde

21 (2013)

Website

www.turbostaat.de

Kontakt

nicole(a)clouds-hill.com

Booker

humberto(a)kktlive.de

Tourdaten

www.stadtderangst.de/tourdates.html

Presseinfo

Küste. Provinz. Eine ungestüme Unzufriedenheit. Ist es das, was Turbostaat seit ihren Anfangstagen charakterisiert?

Was es jedenfalls nicht tut, sind glamouröse Features, Support-Tourneen vor der Gnade irgendwelcher Rockstars oder eine schleichende Cheesyness ihres Sounds. Turbostaat haben alle diese Fallstricke zeit ihrer Existenz umgangen. Vielleicht aus Faulheit, vielleicht durch Glück, wahrscheinlich aber wegen einer Eigenschaft, die in der Rockmusik meistens den Unterschied ausmacht: Haltung.

Als die Flensburger 2001 mit ihrem Debütalbum »Flamingo« erstmals auch außerhalb Norddeutschlands auf den Plan treten, ist da eine Band, die noch relativ gewohnten, noisigen Punk spielt, die aber spürbar eine außergewöhnliche Gabe besitzt: Die Songs, die Marten Ebsen schreibt und Jan Windmeier singt, sind von einer Dichte und Dringlichkeit, die es im deutschen Punk selten vorher gab. Wer das schon früher gemerkt hatte, war das semilegendäre Punklabel Schiffen: Eine Klitsche, die sich weniger um den Verkauf ihrer tollen Alben scherte, sondern mehr darum, eine Haltung zu fördern, die in der Klemme zwischen Fun- und Politpunk zerrieben zu werden drohte. Nicht umsonst waren Turbostaat die einzige Band auf dem Label, die nicht die Hamburger Punk-Ikone Jens Rachut im Line-Up hatte. Für Eingeweihte ein Ritterschlag, der der Band eine kleine, aber feine Fanschar sicherte.

Nach einem weiteren Album, dem noch mal besseren »Schwan« (2003), war bei Schiffen aber Schluss, und die Band schien darüber gar nicht mal so böse zu sein. Dennoch folgte eine Durststrecke von vier Jahren ohne Album, in der Turbostaat aber mit Konzerten überall in der Republik mehrere Grundsteine für ihren Ruf als unwahrscheinlich gute Liveband legten und stetig Fans hinzugewannen.

Die lange Pause hatte aber auch einen anderen Grund: Die Band hatte ziemlich konkrete Vorstellungen davon, wie sie ihr nächstes Album aufnehmen wollte und wie es erscheinen sollte. Die Freundschaft zu den Berliner Beatsteaks ebnete den Weg zu »Same Same But Different«, einem neu gegründeten Label, das auf der einen Seite in der Lage war, die Band bekannter zu machen, dem auf der anderen Seite aber auch die Selbstverantwortung der Musiker am Herzen lag. Innerhalb dieser Zusammenhänge wurde »Vormann Leiss« zu einem Quantensprung: Die Band wurde sichtbarer, entwickelte aber auch einen eigenen Stil weiter, der die Emotionalität des Punk verfeinerte, ohne sich von seiner Haltung zu verabschieden.

Spätestens zu dieser Zeit waren Turbostaat das, was sie noch heute sind: Die vor allem deshalb beste Punkband Deutschlands, weil sie aus ihrem Talent und ihrer Klasse etwas sehr eigenes entwickelte. Längst wirkte die Band auf Außenstehende und Fans wie eine unzerstörbare Einheit, souverän großartig in allem, live wie im Studio.

Darin hat sich bis heute, bis zur Veröffentlichung von »Stadt der Angst«, wenig geändert. Die Band hat den Punkrock wie seit Jens Rachut niemand sonst in Deutschland weiterentwickelt, ohne dabei ihre Haltung aufzugeben. Sie ist immer noch die unzerstörbare Einheit von Freunden vom Dorf, auch wenn manche Bandmitglieder Familien gegründet haben und/oder weggezogen sind. Ihre Musik wirkt auf jeden, der auch nur ein bisschen mit Deutschpunk anfangen kann, unwiderstehlich. In einem sehr positiven, stolzen und selbstbewussten Sinne.

Wie auch schon sein Vorgänger »Das Island Manöver« zeigt »Stadt der Angst« Turbostaat experimentierfreudig, explizit und von einer drohenden Stimmung, die nicht kalt lassen kann. Nach einer Phase auf dem Majorlabel Warner, die sie ohne Groll oder schlechte Gefühle abschlossen, hat die letzte Suche nach einer neuen Plattenfirma nicht mehr ganz so lang gedauert: »Stadt der Angst« erscheint auf Clouds Hill, dem Label, in dessen Studio das Album auch aufgenommen wurde. Der Apparat rund um die Band hat sich damit verschlankt, er ist aber nicht ineffektiver geworden. Auch deshalb, weil Turbostaat niemals Extravaganzen brauchen, aber genau wissen, was sie nicht wollen. Und weil sie es sich leisten können, keine Kompromisse einzugehen. Weil sie eben so unbestreitbar gut sind.

Bei aller Progressivität, die Turbostaat zeit ihrer Existenz an den Tag gelegt haben, ist Punk aber immer noch zu einem Gutteil eine Bewahrerkultur, und das mit Fug und Recht. Es ist gut, dass es diese Band gibt, und dass es sie weiter gibt. Und es ist gut zu wissen, dass es keine bloße Floskel, sondern auch ein Ausdruck von Haltung ist, wenn in den Booklets von Turbostaat immer wieder stand: „Turbostaat sind und werden auch immer bleiben: Jan Marten Roli Tobi Peter“. Die Deutschpunkband aus Flensburg. Alle paar Monate ein Konzert, alle paar Jahre eine neue Platte. Ich will auch gar nichts anderes.

 
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